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Sonntag, 10. August 2014

10 Personal Facts - Iran

Unsere knapp 14 Tage in diesem überraschenden und wunderschönen Land waren viel zu schnell vorbei. Hätte ich gewusst, dass Iran so viel zu bieten hat: ich wäre länger geblieben. Auf der Reise habe ich lustige, verwirrende, wunderschöne und eigenartige Dinge erlebt: die 10 Sachen, die mir am meisten im Kopf geblieben sind, sind aber die folgenden:

1. Iraner sind die nettesten Menschen, die ich bisher auf meinen Reisen kennen gelernt habe.

2. Gutes Essen gibt's in Iran nicht im Restaurant, sondern nur bei den Familien daheim. Auswärts wird nur Kebab kredenzt und vielleicht noch Dizi. Hinter verschlossenen Türen gibt es leckerstes Khorme Sabzi, Kamel-Eintopf und all das, woran man bei orientalischem Essen denkt.
Lammeintopf, 3 Stunden über offenem Feuer geschmort. Lecker, schmecker!
3. Vor 20 Uhr machen die Restaurants nicht mal auf. Und gegessen wird dann erst gegen 11. Bis dahin ist auch auf den Straßen die Hölle los - selbst Kleinkinder spielen quietsch-vergnügt herum.

4. Kleiderordnung Part I: Äußerster, riesen Respekt vor den Damen in den schwarzen Tschadors - ohne Haarklemmen wäre es mir unmöglich gewesen, hejab zu bleiben. Von der Hitze bereits im April gar nicht zu reden...

Frau mit Tschador. 
5. Schon wieder Essen: was gab es nur für unfassbar leckere Süßigkeiten! Gaz, Karamell, Kuchen, Pistazien-Plätzchen, njomm, njomm.

6. Kleiderordnung Part II: Noch im Flugzeug von Istanbul war ich etwas erstaunt über die Nicht-Existenz der Kopftücher bei den Damen und der doch sehr freizügigen (d.h. normalen europäischen) Kleidung. Im letzten Moment vor Ausstieg wurden erst Manteau und Kopftuch rausgeholt und locker umgelegt.

7. Nur ein Wort. Picknick! Auf dem Rasenstreifen an der Schnellstraße, im Park, am Denkmal, auf dem Kreisverkehr, überall. Nur stilecht mit Teppich, Zelt, Shisha und dem halben Hausstand.

Picknick vor Persepolis.
8. Themenwelten. In den Städten, in denen ich unterwegs war, gibt es wie früher noch ganze Straßenzüge zu nur einem Thema: alle Geschäfte mit Sportwaren auf Straße Nummer 1, alle Textiler auf der 2 und die Gewürze im Straßenzug nebenan. Sieht man so in Deutschland gar nicht mehr.

9. Mücke heißt Pascha = پشه

10. Zahlen und zählen auf persisch ist gar nicht so schwer und sehr, sehr empfehlenswert zu lernen. Erstens freuen sich alle und außerdem ist man gefeiter vor fiesen Touri-Preisen. Und die Zahl 5 auf persisch ist jedes mal eine kleine Liebeserklärung... <3

Ich habe, entgegen aller Befürchtungen meines Umfelds, Iran als sehr freundliches und uns gegenüber offenes Land kennengelernt. Ja, Frauen werden unterdrückt und der Kopftuchzwang ist schon lange überholt. Ja, für falsche Meinungen kann man hier ganz schnell ins Gefängnis wandern. Und auch ja: die Politik ist mehr als fragwürdig. Jedoch: ein Land besteht nicht nur aus denen da oben, sondern vor allem aus ganz normalen Menschen. Die uns strahlend entgegen kamen und uns "Welcome to Iran!" entgegen riefen. Die uns einluden, mit Ihnen Tee zu trinken und zu essen. Die sehr,sehr gebildet und auch reflektiert sind. Und die letztendlich in einem Land mit wahnsinniger Schönheit leben, das es wert ist zu besuchen. Ich hoffe, ein Umbruch hin zu einem moderneren Iran kann ohne Gewalt und Krieg enden, sondern friedlich: das Potenzial ist aus meiner Sicht definitiv da. Deswegen, wie immer: hinfahren, anschauen, kennen lernen.

Khodahafez Iran khoshgele!

Dienstag, 5. August 2014

Shiraz - Rosen und wilde Bekanntschaften.

Gestärkt mit dem äußerst leckeren Brot vom Frühstücksbüffet traten wir an unserem Shiraz-Sightseeing-Tag als erstes zu Fuß den Weg gen Chagh-Cheragh an. Da meine Füße und die Nike Free den 3 Stunden-Lauf durch die Wüste nicht ganz so gut verkraftet hatten, schön langsam, da liess sich auch die Hitze besser ertragen. Quer durch den schönsten der bisher gesehenen Basare streiften wir und versuchten, im Tag anzukommen.

Bunter Basar in Shiraz.

Der Chagh-Cheragh Schrein
Doch es hieß keine Müdigkeit vorschützen: wir hatten doch nur einen Tag für viele, viele Sehenswürdigkeiten in der sogenannten ‚Stadt der Gärten‘ Shiraz und mit 1,5 Millionen Einwohnern eine der größten Städte des Iran. Nummer eins auf der Liste war der Schrein Schah-Tscheragh, eine der heiligen Stätten im Iran. Hier herrscht für Frauen Tschador-Pflicht, der aber glücklicherweise ausgeliehen werden kann. Um die Blicke trotzdem auf einen zu lenken, waren die Leihtschadors jedoch statt in einem züchtigen schwarz, wie alle anderen, weiß mit bunten Blümchen.

Mit dem bunten Tischtuch bedeckt machte ich mich also auf, Johannes zu treffen, der durch den Männereingang hereingegangen war. Da Kameras abgegeben werden mussten, haben wir von unserem gesamten Besuch leider auch nur ein heimlich geschossenes Handyfoto. Wie man sieht, hatte ich die Nutzung noch nicht ganz raus: viel zu viel Haar zu sehen - das Ding ist einfach ständig weggerutscht!

Zünftig verhüllt.
Der heilige Schrein von außen.







***Kurz zum Schrein Chah Tscheragh: Übersetzt lautet der Name ‚König des Lichts‘ und  er ist die Begräbnisstätte von Amir Ahmad und Mir Muhammad. Er ist neben dem Schrein im Maschad einer der wichtigsten Pilgerstätten der Schiiten im Iran und im Inneren mit Tausenden Spiegel-Mosaiken ausgestattet, die um die Wette funkeln.***

Eigentlich darf das Innere des Schreins, eben das, was so hübsch ist, von Nicht-Muslimen nicht betreten werden. Wir wurden aber bereits am Eingang von einem netten älteren Herrn angesprochen, der uns gerne die Moschee zeigen wollte. Wir haben das natürlich gerne angenommen, und kamen so auch in den Genuß, die weichen Teppiche im Inneren zu spüren, das Glitzern der goldenen Türen und Mosaikwände zu bestaunen und das Mausoleum mit dem Sarg zu sehen.

Der nette Guide führte uns noch in weiteren Teilen der riesigen Moschee rum und brachte uns dann zu einer Koranschule, in der kleine Jungs im Alter von ca. 9 Jahren gerade eine Art Einführung ins Beten erhielten. Wir waren die Attraktion des Tages und die armen Kleinen konnten sich nicht mehr wirklich konzentrieren – hätte ich in dem Alter wohl dann auch nicht mehr gekonnt ;) Danach passierten weitere ominöse Dinge, auf die ich aber lieber im Netz nicht eingehen möchte, nur so viel sei gesagt: es war mehr als gut, dass Johannes und ich uns in unserer gefakten Ehe schon so lange kennen und so auch auf komische Situationen angemessen reagieren können.

Hamam-Museum und die Zitadelle des Karim Khan
Etwas verwirrt und eingeschüchtert standen wir dann wieder vor dem Heiligtum und marschierten durch den Bazaar gleich weiter in Richtung Hamam-Museum. Dieses Museum war vor allem von Einheimischen extrem gut besucht und ziemlich witzig: denn mit lebensecht-aussehenden Puppen wurden die typischen Hamam-Szenen nachgestellt. Hinterlegt mit den Geräuschen konnte man sich so eine Hamam Sitzung ziemlich gut vorstellen.

Und nun stelle man sich noch die Geräusche vor...

Alt vs. neu

Der nächste Punkt auf dem Plan: die Zitadelle des Karim Khan (dieser Name, Wahnsinn, wie aus 1001 Nacht, oder?). Diese Burg im Stadtzentrum hatte einen lustigen schiefen Turm, war innen mit Rosenduft erfüllt und sehr hübsch anzuschauen. In einem ziemlichen Touri-Restaurant in der Mitte des Bazaars nahmen wir nach diesen schweißtreibenden Aktivitäten Kebab und Mast zu uns und entgingen der Mittagshitze etwas.

Touristen erkennt man dann doch recht fix...
Nach einer kurzen Pause auf den Takhts im Hotel schnappten wir uns ein Taxi und fuhren zu Hafis‘ Grab. Der Taxifahrer verstand meine Bemühungen um die richtige Aussprache des Namens erst recht spät- nicht Hafis sondern Chafeeeess wird der gute ausgesprochen, führte uns dann aber zum Ziel. Das Grab ist in einer wirklich wunderschönen kleinen Parkanlage gelegen und es roch wieder mal, wie so oft in Shiraz, betörend nach Rosen. Neben riesigen deutschen Reisegruppen gab es auch kleine iranische Schulmädchen, die sich im rosa Maghe um ihre Lehrerin scharrten.

Eine seltene Aufnahme des Grabes OHNE Reisegruppen!

Herzig.

Hübsch ist es bei Hafez.
Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass der Sonnenuntergang am Koran-Tor im Norden der Stadt ganz toll sein soll. Da es mittlerweile gegen 17:30 war, wollten wir noch etwas Zeit rumbringen und uns dieses Spektakel anschauen. Neben dem Tor war nun ein ziemlich hoher Berg mit einer kleinen Hütte oben drauf. Wir also die Wasserflaschen geschnappt und die gefühlt 500 Stufen den Berg erklommen. Belohnt wurden wir dann mit einer Wahnsinnsaussicht über Shiraz.

Franzi + Shiraz

Ich erzählte ja bereits von den netten Begegnungen und offenen Menschen im Iran. Während wir nun also auf dem Hügel saßen, Bilder schossen und den Moment genossen, kamen ein sehr sportlicher Mann mit Adidas T-Shirt und langer Jogginghose, der durchaus auch so auch in Deutschland an der Spree entlang laufen könnte, und eine Frau auf den Hügel gestapft. Sie war in einen stylischen rosafarbenen Adidas-Anzug, natürlich überlang, damit Hejab, gekleidet und mit äußerst knappem Kopftuch ausgestattet. Wir kamen schnell ins Gespräch und erfuhren das Akhbar und Nasri ihr tägliches Trainingsprogramm auf dem Berg vollführten, seit kurzem einen Englischkurs besuchten und sehr nette Menschen sind. Nach einer halben Stunde wurden wir dann zum Abendessen eingeladen. Nach etwas taroof siegte dann aber doch unsere Neugier und wir sagten zu – für 21:30 Uhr (hatte ich schon erwähnt, dass hier alle echt spät essen?!).

Über eine halbfertige Treppe, die mitten im Nichts einfach mal aufhörte stolperten wir den Berg hinab und blieben dann doch nicht bis zum Sonnenuntergang am Koran-Tor, sondern nur für einen kurzen Stopp. Vor welchem wir eine 6-spurige Straße ohne Nahtod-Erlebnis überquerten – welch Aufregung an einem Tag!

Das Koran Tor in Shiraz.
Taxi, Taxi.

So weit wie es nach 12 Tagen unterwegs sein noch möglich war, machten wir uns schön und warteten auf die zwei, die uns sogar vom Hotel abholten. Beim Warten kamen dann doch kurze Zweifel, dass die ganze Aktion ja doch etwas riskant sei – fremdes Land, fremde Menschen, einfach mitgehen? Das hat Mutti aber damals doch explizit verboten! Aber die Neugier siegte am Ende doch und so hatten wir einen wirklich schönen Abend bei Nasri und Akhbar. Zu Kebab, Dough und Chorme Sabzi radebrechten wir, während im Fernseher der Landarzt auf dem ARD lief. Ja, tatsächlich! Sie waren über diese Tatsache stolz wie Bolle.

Gegen ein Uhr wurden wir dann, trotz Proteste unsererseits, noch ins Hotel gebracht und nach einer kurzen Rekapitulation dieses wahnsinnig aufregenden Tages schliefen wir ein.

Am nächsten Morgen war dann unser Trip auch schon fast vorbei. Nach einem weiteren Besuch auf dem Basar, um Datteln und letzte Mitbringsel zu kaufen, sowie noch etwas orientalische Luft zu schnuppern, setzten wir uns gegen 13 Uhr ins Taxi gen Flughafen. Der Taxifahrer versuchte dann, uns noch über den Tisch zu ziehen, aber nach 2 Wochen Iran waren wir mit Preisen und Zahlen vertraut und konnten dem Einhalt gebieten.

Diese Süßigkeiten. Mir läuft noch immer das Wasser im Mund zusammen!
Teheran von oben.
Der Security Check war natürlich wieder getrennt nach Männlein und Weiblein. Im Landeanflug auf Teheran wurden uns dann zudem noch einmal die Ausmaße dieser riesen Stadt bewusst - unfassbar groß!

Bei Romys Freunden wurden wir dann noch einmal sehr nett empfangen konnten den Urlaub so perfekt ausklingen lassen. Der Rückflug selbst war dann wieder zu einer Unzeit: 6 Uhr früh. Khodahafez, Iran!

Freitag, 20. Juni 2014

Reise in die Vergangenheit: Persepolis und Naqsh-e Rostam


Den luxuriösesten Teil einer Langstreckenfahrt haben wir zwischen Yazd und Shiraz gemacht: mit dem Taxi sind wir die ca. 400 km lange Strecke abgefahren. Kosten hierfür waren ca. 100 Dollar, also 75 Euro, inkl. Stops in Persepolis, Pasargadae und Naqsh-e Rostam. Da wir für diese Sehenswürdigkeiten so oder so ein Taxi hätten nehmen müssen und dann auch noch einen Transporttag verloren hätten, kam uns das Ganze also sehr gelegen. Für den Preis wäre ich in Dresden vermutlich maximal einmal quer durch die Stadt gekommen.

Pasargadae
Erster Stopp nach 4 Stunden Fahrt durch steile Hügel, unwirtliche Landschaft und an vielen, vielen LKWs vorbei, war Pasargadae, der Überrest der ersten Residenz des Perserreiches. Es wurde vermutlich als Heerlager gebaut und ca. 550 vor Christus durch den König Kambyses II erweitert. Heute steht außer einem großen Grabstein nicht mehr so viel und die Anlage ist sehr weitläufig. Da uns sowohl Masud in Yazd, alle anderen Reisenden und auch unser Fahrer nicht empfahlen die Anlage zu besuchen, da es fast genauso aussieht wie Persepolis und die 150.000 Rial nicht wert sei, machten wir nur eine kleine Teepause und fuhren direkt weiter nach Naqsh-e Rostam.
Pasargadae von weitem. Tele sei Dank! :)
Naqsh-e Rostam
In Naqsh-e Rostam angekommen, konnten wir schon vom Parkplatz die riesigen, in Stein gehauenen Grabmale sehen. Und die riesige Touristengruppen, die davor standen. Wir ließen uns aber nicht abschrecken, zahlten die 150.000 Rial und schauten uns die Inschriften und Gräber von Nahem an. Hier befinden sich die Grabmäler von Darius dem I und II, Xerxes und Ataxerxes und am beeindruckendsten ist wohl, dass alles so unfassbar alt ist- die Jungs sind alle zwischen 480 und 400 vor Christus gestorben! Wer sich die Geschichte des Grabes anschauen möchte, dem sei der Wikipedia Artikel nahe gelegt, der alle Reliefs auch detailliert darstellt.

Naqsh-e Rostam in ganzer Pracht.

Riesen Grab, uralt.
Persepolis
Da es in Yazd eigentlich ganz angenehm war, in Jeans rumzulaufen, hatte ich diese auch an dem großen Altertums-Sightseeing Tag an. Plus Jeanshemd, Unterhemd und lange Bluse, man will ja ordentlich Hejab sein. Doch diese Kleiderkombi war in der Hitze des Südens ein großer Fehler. Schon durch Naqsh-e Rostam schleppte ich mich dahin und 10 km weiter, in Persepolis war es dann ganz vorbei – von 14 bis 16 Uhr durchstreiften wir das riesige Gebiet der alten persischen Hauptstadt und ich war kurz vorm hyperventilieren.

Persepolis geht auch nur fast aufs Bild.
Warm!
Das perfekte Ehepaar :D
Der Wächter der Ruine.
Damals und heute - verblüffende Ähnlichkeit.

Das Tor der Nationen.

Säulen.

Doch abgesehen davon war es da echt sehr, sehr interessant. Das Witzigste waren jedoch eigentlich nicht die vielen alten Steine, sondern das Studieren der vielen einheimischen Touristen. Da wir an einem Freitag (=europäischer Sonntag) da waren, reisten viele, viele Familien an, picknickten mit ihren Teppichen und Zelten im Park, aßen Fast Food im Food Court und wir konnten einen super Querschnitt durch die iranische Gesellschaft beobachten. Coole Sache.
Spiiiidermaaan!
Ruinen.
Abgesehen davon ist Persepolis natürlich auch eine Reise wert – wie alt das alles ist! Durch das Tor der Nationen zu laufen, und daran zu denken, dass schon 2.500 Jahre vorher die Delegierten aus dem gesamten persischen Reich durchgelaufen sind, bringt schon eine gewisse Gänsehaut.

Ankommen in Shiraz
Viele Reliefs, Fotos und Schweißtropfen später saßen wir erschöpft wieder im Auto und waren auf der letzten Teilstrecke des Tages: nach Shiraz! Am Koran-Tor vorbei, an welchem früher die Reisenden anhielten, Allah für das Ankommen in der Stadt dankten, weiter gen Golshan Hotel. Dieses wurde uns von Masoud empfohlen und es war das hübscheste Hotel der gesamten Reise. Im alten persischen Stil gehaltener Innenhof, großes Zimmer mit bequemen Betten – und das für knapp 15 Euro die Nacht (mit leckerem Frühstück natürlich).

Allgegenwärtig...
Wunderschönes Hostel.
Nachdem ich mich mit Freude kurzzeitig meiner Bekleidung entrissen hatte, legte ich die leichtere Version dieser schnell wieder an, denn ein letzter Tagespunkt stand noch auf dem Plan: der Naranjestan Garten mit dem Zinat-ol Molk Haus. Dieser hübsche Garten war fussläufig zu erreichen und kaum, dass wir drin waren schlug uns schon der betörende Duft der Rosen entgegen. Wahnsinn, wie gut das roch!

Zinat ol-Molk Haus. Wunderhübsch.
Der Duft...betörend!
Der Garten war wieder sehr hübsch, noch cooler war aber eigentlich das Zinat-ol Molk Haus, in welchem vor einigen Jahrzehnten amerikanische Missionare/Forscher lebten. Das Haus war über und über mit Spiegelmosaiken ausgestattet und alles glitzerte im Sonnenlicht. Super schön! Auch hier konnte man wieder wunderbar die Eigenarten der Iraner beobachten: Eis essen geht immer, am besten Softeis aus der Maschine (haben wir uns dann auch gegönnt), Mini-Digicams werden am liebsten auf dicken Stativen befestigt und gewichtig Fotos gemacht und auch beliebt: sich als Nomade verkleidet fotografieren lassen.

Auf dem Rückweg konnte ich ein weiteres Stück in meiner großen Sammlung "Tiere, die niedlich sind, die man aber auch essen kann" aufnehmen: Kamel. Bisschen gruselig ist das ja schon...

Traditionen zum ausleihen
Äh ja. Beachtenswert auch: seine Haare.
Asisam.
Kamel :(

Montag, 26. Mai 2014

Chak Chak, Meybod, Kavanagh und die Wüste. Awesome!



Pünktlich 10 Uhr standen wir gestriegelt und gesattelt in der Hotel-Lobby und warteten auf Masud, unseren Guide für die nächsten 2 Tage. Ein sehr nettes belgisches Pärchen begleitete unsere 4er Gruppe, was uns sehr freute. Kurz vor 11 gings dann auch los – zu Martins Enttäuschung nur in einem stinknormalen Taxi und nicht in einem dicken Jeep.

Meybod
Erster Halt: Meybod und die Narin-Festung. Eine bis heute uneingenommene Festung, die durch intelligente Verteidigungssysteme und die unterirdische Versorgung durch Qanat-Tunnel allen Widrigkeiten und Angriffen getrotzt hat. Außerdem war die Sicht vom Dach auf die Oase auch sehr schön. 
Narin Castle Meybod.
Licht und Schatten.
Oase. Tatsächlich.
Eine kurze Fahrt weiter waren wir dann in einer alten Karawanserei und Masud erzählte uns über Kamele, Karawanen und Teppiche. Romy war auch sehr happy, denn eeendlich konnte auch sie ihren Traumteppich in die Arme schließen.

Diese Architektur. Große Liebe!
Und die Sehenswürdigkeitsdichte wurde noch dichter: gleich neben der Karawanserei, die früher das Handelszentrum der persischen Städte war, stand der Eisturm. Im kalten Winter, in dem hier durchaus auch Schnee und Eis herrschen, wurde Eis gesammelt und zwischen Stroh im Eisturm gelagert. Dieser hielt aufgrund der Architektur so kühl, dass das Eis über den Sommer kaum schmolz und genutzt werden konnte. Als wir jetzt da waren, eignete sich die Architektur zudem sehr gut für eine Gesangseinlage von Masud – inklusive beeindruckender Töne, die ein normaler Mensch unmöglich singen kann. Leider weiß ich nicht, wie dieser Hals-Ton heißt, den die Perser im Hals hervorbringen. Vorschläge gerne in den Kommentaren!


Unser Jeep. Vrooom!
Zurück vom Eisturm erwartete uns dann eine große Überraschung: der Jeep war da! So hieß es raus aus dem engen Taxi, rein in das alte Gefährt. Nicht nur Martins Augen strahlten als wir mit lauter Popmusik durch die Straßen von Meybod in Richtung Chak Chak cruisten.

Chak Chak / Pir-e Sabz
Mitten im Wüstengebirge liegt die wichtigste zoroastrische Pilgerstätte der Welt: Chak Chak oder Pir-e Sabz. Die Legende sagt, dass Prinzessin Nikbanou in den Bergen Zuflucht suchte und kurz vor der totalen Erschöpfung stand. Just an diesem Ort blieb ihr Wanderstock stecken, Wasser trat aus dem Berg und er gewährte ihr Herberge. Daraufhin schlug sie hier ihr Lager auf und aus dem eingesteckten Stock wurde eine gewaltige Linde. Das Wasser tropft noch heute (chak chak chak chak) und mittlerweile sind neben dem Feuertempel auch Herbergen für die Pilgerer, die jedes Jahr Mitte Juni aus der ganzen Welt nach Chak Chak pilgern, aufgebaut. Diese dürfen zu dieser Pilgerreise sogar tanzen und trinken – und das im eigentlich alkohol- und tanzbefreiten Iran!


Pir-e Sabz von innen.
Versteckt im Berg.

...mitten im Nichts.
Kavanagh
Nach dieser lehrreichen Besichtigung gab es im Schatten des Berges leckeres Khorme Sabzi (ohne Alkohol und ohne Tanz ;) ) und so gestärkt düsten wir nach Kavanagh. Die ehemalige Wüstenstadt wurde vor 40 Jahren von ihren Einwohnern verlassen und verfällt seitdem Schritt für Schritt. Mit der Warnung im Ohr, aufgrund der akuten Einbruchsgefahr bitte nicht mit mehr als 2 Personen auf einmal an einem Platz stehen zu bleiben, erkundeten wir die Stadt. Ein bisschen gruselig war es schon, aber die Atmosphäre und das Licht am frühen Abend unvergleichlich.


Kavanagh Scenes.
Landschaft. Wieder: Wahnsinn!
Weite.

Eine Nacht in einer Oase
Inzwischen war es dann schon 17 Uhr und wir machten uns auf den Weg zu dem Schlafplatz für die Nacht – einer Oase mitten in der Wüste. Auf Schotterwegen ging es vorbei an imposanten Bergen, Hügelketten und unwirklichen Landschaften. Musikalisch begleitet durch eine CD von Moein aus den 90er Jahren - aber wie passend war sie doch!


In der Oase angekommen war noch lange nicht an Abendruhe zu denken: Masud zeigte uns Stinkepflanzen, erzählte von Blumen, die nach männlichen Ausscheidungen und Gräsern die so ähnlich wie Rosmarin und Lavendel riechen, aber keins von beiden sind und vom Leben im Iran. Am Ende des Erzählens waren wir dann auch schon am Ziel angekommen: einem kleinen, grünen See im Berg. Aufgrund von ausgefallenen Regenfällen war der allerdings ziemlich mickrig, drüber gesprungen wurde aber trotzdem. 

Nach vielen weiteren Geschichten, einem super leckeren Kamel-Kartoffel-Eintopf mit Fladenbrot, dem Versuch die Sterne zu fotografieren, Shisha rauchen und viel Lachen fielen wir dann gegen Mitternacht eingemummelt auf dem harten Steinboden in den Schlaf.


Lichtspiele.
Schlafplatz.
Canyon-Wanderung
Die Nacht war kurz und dann doch recht hart und so saßen wir um 9 wieder im Jeep in Richtung der ersten Wanderung. Es ging ca. 7 km durch einen wunderschönen Canyon. Die Sonne schien, ein Lüftchen wehte und wir kraxelten durch die Gegend. Am Ende des Canyons warteten dann wieder Sanjat und Akbar und wir kurvten direkt weiter.


Eine Schaukel! In der Wüste!
Der Canyon. Wunderschön!
3 Stunden in der Salzwüste - dem verdursten nah
Mitten in der Salzwüste wurden wir dann erneut ausgesetzt. Akbar, ein ca. 50jähriger, kleiner untersetzter Mann, der bisher als Koch fungierte, übernahm bei dieser Wanderung das Kommando. In einer ziemlich dicken Lederjacke und nur mit einer 1,5l Wasserflasche in der Hand marschierte er im Stechschritt los. Wir, ahnungslos wie wir waren, dachten, dass es wohl eine halbe Stunde durch die Wüste gehen würde, bevor wir am Mittagessen-Treffpunkt ankämen.
Doch weit gefehlt. Fast 3 Stunden liefen wir erst durch die Salzwüste, dann über wellige Kämme und zuletzt auch ziemlich steile Anstiege. Und es hörte nicht auf. Total ermattet und halb verhungert kamen wir dann gegen halb 4 am Lunch-Point an und lagen wie die kleinen Ferkelchen im Schatten. Das überaus leckere Essen (gebratene Zucchini-Scheiben mit gewürztem Reis und Brot) entschädigte uns dann aber für die Strapazen. Merke: unterschätze niemals einen Iraner in der Wüste!
Salz.
Granit.
Weite.
Farbe.
Kaputte Jungs.
Badezeit!
Für die Jungs gab's dann noch was richtig Cooles: ein Bad in einer Minioase. Super witzig, mitten in Geröll und Bergen war ein kleiner Teich ausgehoben, der mit Salzwasser gefüllt war. Ich traute mich immerhin bis zu den Knien rein, was sich nach Tagen vorbildlich hejab sein schon seeeehr verwegen anfühlte. Die Jungs sprangen und hüpften aber im Wasser herum und erfreuten sich ihres Lebens.

Sandwüste bei Fahraj - und eine Panne danach
Nach Geröll und Salz kam jetzt der Teil der Wüste, den man sich eigentlich unter Wüste vorstellt (ich jedenfalls): Sand! Im wunderschönen Licht des frühen Abends entdeckten wir die Sanddünen kurz vor Faraj. Und es war so, so, so toll! Sand überall, ein Wahnsinns-Panorama und pures Glück brachte uns alle zum Grinsen.


Happyness.
Dünen.
Sand.
:)
Mit der Aussicht auf einen Blick auf das Babykamel (2 Tage alt!!! Ohhh!) von Masuds Bruder traten wir den letzten Teil der Reise an. Im Licht der untergehenden Sonne sangen und tanzten wir im Jeep Faraj entgegen. Bis…auf einmal der Jeep stehen blieb. Wir dachten, es gäbe noch etwas zu sehen und beugten uns erwartungsvoll zu Sanjat. Doch er guckte eher bekümmert und fragte: ‘Do you remember what happened to you when you came back after your walk to the desert?’ Wir: ‘?!?’ Er: ‘Well, you have been hungry, no?’ Wir: ‚Äh, yes.‘ Und er: ‘Now my car is hungry.’

Nach kurzem Unglauben war es dann Wirklichkeit: Benzin alle. In der Wüste. Kurz vor Sonnenuntergang. Schön! Gottseidank war ja Masud mit einem weiteren Auto hinter uns und die Männer versuchten das Benzin vom kleinen in das große Auto zu pumpen. Währenddessen genossen wir den Sonnenuntergang, schossen viele Fotos und reagierten auf einen vorbeifahrenden Zug mit hysterischem Winken. Nach einer dreiviertel Stunde war dann wieder etwas Benzin im Tank (nach dem alten Gartenschlauch-Ansaug-Trick.  Bäh, armer Akbar.) und wir fuhren gen Faraj. Doch das Babykamel würden wir aufgrund der Verspätung traurigerweise nicht mehr sehen.
Reisegruppe Persien extended version.
Eine Dusche fühlte sich dann auch schon lange nicht mehr so gut an und so frisch gepflegt aßen wir wie in einer großen Familie an einer großen Tafel zu Abend. Und dann hatte Masud noch eine Überraschung – wir dürften doch das Babykamel sehen! Juhuuuu! Große Freude und Quietschen bei den Mädels, verhaltene Reaktion der Jungs.
Das Babykamel war super niedlich, doch seine Mama und die anderen Kamel echt gaaanz schön groß. Vor allem im dunklen Stall!
Glücklich und voller Eindrücke der vergangenen Tage gingen wir in das weiche, große Bett. Am nächsten Morgen verabschiedeten Johannes und ich uns von Martin und Romy, die bereits nach Hause flogen. Für uns ging es noch weiter nach Shiraz, der Perle des Südens…