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Mittwoch, 29. April 2015

Ein Roadtrip durch Zentralmarokko.


Am Tag nach der großen Fahrerei war mein Bauch wegen der fiesen Fische am Hafen von Essaouira noch nicht so ganz wiederhergestellt und statt einer langen Wanderung planten wir jetzt einen Trip nach Agdz und Zagora. Bereits beim hinausgehen gab uns dann unser Hotelbesitzer noch den Tipp, zur Oase von Fint zu fahren, da diese nicht so weit weg und sehr schön sei (und nicht im Lonely Planet, muah).

Solche Tipps nehmen wir doch immer gerne an und so ging es auf gen Oase. Zuerst auf super Straßen, danach folgten Schotterstraßen und daraufhin ein Weg, der eigentlich nur mit 4x4 Autos zu befahren ist. Der Polo hielt aber tapfer durch und als wir schon dachten, wir würden gar nicht mehr ankommen, tauchte die Oase wie aus dem Nichts auf. So cool muss sich das also früher angefühlt haben, als man nach mehreren Tagen in der Wüste die rettende Oase sah.

Idris, das 4x4 saharienne und Franzbert.
Grün.
Feeling small.
Njomm.

Auf der Straße stand dann Idris, der uns die Oase zeigen wollte. Er wirkte nett und zeigte uns Felder, Blumen und den Fluss, erzählte uns von den vier Dörfern mit ca. 1.300 Einwohnern und wie sie ihr Leben abseits der Welt gestalten. Er zeigte uns auch den schönen Blick über die riesige Oase und die Grundschule, die immerhin 120 Kinder besuchen.

Nach Tee, leckeren Hühnerspiessen und einem Trinkgeld für den alten Parkplatzwächter war der schöne Vormittag dann auch schon vorbei und wir cruisten weiter, Richtung Agdz. Die Stadt, 50 km von Ouazazate entfernt, liegt auch in einer Oase und der Weg dahin war super cool. Berge, Landschaft und Serpentinen. Tagsüber machte das Fahren auch gleich noch mehr Spaß und wir hielten immer mal an, um die Landschaft zu genießen.

Selfiiiie.
Landschaft. Schönschönschön.
Kamele I
Schon der Blick auf Agdz war dann wieder sau cool: ein paar Häuser und danach ein riesen Palmenhain, die Palmeraie. In der Stadt suchten wir dann nach der Kasbah Caid Ali und fanden sie nach einem Hinweis auch. Versteckt hinter Mauern tauchte sie auf  und eine sehr nette Französin, deren Mann (und dessen Vorfahren) die Kasbah und das Land gehören, führte uns herum und erklärte uns für 30 Dirham (ca. 3 Euro) auf Deutsch die Kasbah.

Kasbah Caid Ali.
Blick. 
Sie erzählte uns lauter interessante Sachen über die Bauweise der Häuser in Marokko, die aufgrund der riesen Temperaturschwankungen einiges aushalten müssen. So sind im Sommer hier bis zu 45 Grad, im Winter hingegen bis -5. Durch Luftdruck, intelligentes Lüften und Wohnen wird dieser Tatsache aber entgegen gewirkt so gut es geht. Das absolute i-Tüpfelchen war dann der Wahnsinns-Blick über den Palmeraie und die Berge.

Auf dem Rückweg hielten wir dann noch im Zentrum von Agdz und ein älterer Herr sprach uns an (wie immer, wenn wir nur irgendwo auftauchten). Bald kamen wir auf unsere Nationalität zu sprechen und er bat uns sein Fotobuch zu übersetzen, dass ihm sein Freund aus Deutschland geschickt hatte, Xaver. Da sagt man natürlich nicht nein und begleiteten ihn in seinen Laden. Ich übersetzte das Buch für ihn (wie viele das wohl schon getan hatten?;)) und wir tranken noch einen Tee. Als Erinnerung wollte er ein Foto im typischen Gewand und mit Turban und dem langen Umhang posierten wir in seinem Hinterzimmer. 

Überzeugende Berber. 
Mit einem Bauch, der wieder wie neu war, wachte ich am nächsten Morgen auf und konnte mich endlich ganz in das leckere Frühstück stürzen - eine Art Blätterteig triefend vor Honig, njomm. Nach diesem checkten wir aus und liefen unter grauen Wolken und leisem tröpfeln in Richtung der riesigen, imposanten Kasbah am Berghang. 

Auf der Kasbah von Haid Ben-Haddou stiefelten wir etwas herum und bewunderten die schöne Aussicht. Es war recht kühl und so blieben wir nicht länger als nötig, denn die Fahrt nach Taroudannt lang schließlich noch vor uns.

Kasbah.
Bilder.
In Taroudannt kurze Bestürzung: die Stadt war gar nicht so klein, wie an der Anzahl der wenigen Touristen-Hotels auf Tripadvisor und Booking.com gedacht. Da wir diesmal die Strecke zum Hotel nicht vorgeladen hatten, waren wir kurz etwas aufgeschmissen - denn in der Medina mit dem Auto rumsuchen war aufgrund der Größe der Stadt (über 70.000 Einwohnern) einfach unmöglich. Merke: vorher schonmal auf Wiki schauen, was das nächste Reiseziel so kann. 

Nachdem weder Passanten noch die Polizei uns den Weg zu unserem Riad zeigen konnten, schmiss ich dann doch mal das mobile Internet an (99 Cent pro MBit, roaming tut doch ganz schön weh) und lud den Weg vor. Wir fanden dann immerhin in die Nähe des Riads, standen dann jedoch statt im Riad im ultra schicken Vorgarten eines älteren Herren. Sein Butler zeigte uns dann jedoch den Weg zu unserer Unterkunft, dem Riad la Princesa, die sich als sehr klein und sehr hübsch herausstellte. 

Abends fanden wir dann auch heraus, warum die Stadt so wenige Hotels auf den üblichen Seiten hatte: es gab einfach kaum Touristen. Wir fanden das natürlich ganz angenehm, konnten wir doch so auch mal die 'echte' Seite Marokkos kennen lernen.
Markt.
Real life.
Riad. Unaufgeräumt.
Pläne sind ja immer dazu da, sie zu ändern, das war schon immer mein Reisemotto. Der Plan dieses mal war es, den Tag in Taroudant und am nächsten Tag vor der Abgabe des Autos in Marrakech noch ein bisschen Zeit am Meer zu verbringen. Da jedoch das Wetter am 2. Tag deutlich schlechter sein sollte, entschieden wir uns spontan, den Tag in Taghazout zu verbringen um noch ein bisschen Farbe zu tanken und ein paar Wellen zu surfen. 

Also setzte ich mich hinters Steuer und los gings, 100 km gen Westen. Google Maps hatte uns zwei Routen ausgespuckt, die unserer Meinung aber nicht über die sinnvollste und direkteste Straße führten. Auf dem Rückweg merkten wir dann, das Google doch immer recht hat, denn die angebotene Route war viel besser. Merke: traue Google - es hat meistens Recht. 


Surf.
<3
Deutschland?
Kamele II.
Durch Agadir ging es an vielen Kreisverkehren vorbei und bald erreichten wir den Strand vor Taghazout. Die Sonne schien, das Meer war kalt und es folgte ein purer Relaxtag ohne besondere Vorkommnisse. Da die Tide gerade dabei war, abzufließen waren die Wellen nicht so doll, doch ohne Board war das aber dann auch nicht ganz so schlimm. Mit Burger und einer kalten Cola ließen wir den Tag ausklingen.

Sonntag, 10. August 2014

10 Personal Facts - Iran

Unsere knapp 14 Tage in diesem überraschenden und wunderschönen Land waren viel zu schnell vorbei. Hätte ich gewusst, dass Iran so viel zu bieten hat: ich wäre länger geblieben. Auf der Reise habe ich lustige, verwirrende, wunderschöne und eigenartige Dinge erlebt: die 10 Sachen, die mir am meisten im Kopf geblieben sind, sind aber die folgenden:

1. Iraner sind die nettesten Menschen, die ich bisher auf meinen Reisen kennen gelernt habe.

2. Gutes Essen gibt's in Iran nicht im Restaurant, sondern nur bei den Familien daheim. Auswärts wird nur Kebab kredenzt und vielleicht noch Dizi. Hinter verschlossenen Türen gibt es leckerstes Khorme Sabzi, Kamel-Eintopf und all das, woran man bei orientalischem Essen denkt.
Lammeintopf, 3 Stunden über offenem Feuer geschmort. Lecker, schmecker!
3. Vor 20 Uhr machen die Restaurants nicht mal auf. Und gegessen wird dann erst gegen 11. Bis dahin ist auch auf den Straßen die Hölle los - selbst Kleinkinder spielen quietsch-vergnügt herum.

4. Kleiderordnung Part I: Äußerster, riesen Respekt vor den Damen in den schwarzen Tschadors - ohne Haarklemmen wäre es mir unmöglich gewesen, hejab zu bleiben. Von der Hitze bereits im April gar nicht zu reden...

Frau mit Tschador. 
5. Schon wieder Essen: was gab es nur für unfassbar leckere Süßigkeiten! Gaz, Karamell, Kuchen, Pistazien-Plätzchen, njomm, njomm.

6. Kleiderordnung Part II: Noch im Flugzeug von Istanbul war ich etwas erstaunt über die Nicht-Existenz der Kopftücher bei den Damen und der doch sehr freizügigen (d.h. normalen europäischen) Kleidung. Im letzten Moment vor Ausstieg wurden erst Manteau und Kopftuch rausgeholt und locker umgelegt.

7. Nur ein Wort. Picknick! Auf dem Rasenstreifen an der Schnellstraße, im Park, am Denkmal, auf dem Kreisverkehr, überall. Nur stilecht mit Teppich, Zelt, Shisha und dem halben Hausstand.

Picknick vor Persepolis.
8. Themenwelten. In den Städten, in denen ich unterwegs war, gibt es wie früher noch ganze Straßenzüge zu nur einem Thema: alle Geschäfte mit Sportwaren auf Straße Nummer 1, alle Textiler auf der 2 und die Gewürze im Straßenzug nebenan. Sieht man so in Deutschland gar nicht mehr.

9. Mücke heißt Pascha = پشه

10. Zahlen und zählen auf persisch ist gar nicht so schwer und sehr, sehr empfehlenswert zu lernen. Erstens freuen sich alle und außerdem ist man gefeiter vor fiesen Touri-Preisen. Und die Zahl 5 auf persisch ist jedes mal eine kleine Liebeserklärung... <3

Ich habe, entgegen aller Befürchtungen meines Umfelds, Iran als sehr freundliches und uns gegenüber offenes Land kennengelernt. Ja, Frauen werden unterdrückt und der Kopftuchzwang ist schon lange überholt. Ja, für falsche Meinungen kann man hier ganz schnell ins Gefängnis wandern. Und auch ja: die Politik ist mehr als fragwürdig. Jedoch: ein Land besteht nicht nur aus denen da oben, sondern vor allem aus ganz normalen Menschen. Die uns strahlend entgegen kamen und uns "Welcome to Iran!" entgegen riefen. Die uns einluden, mit Ihnen Tee zu trinken und zu essen. Die sehr,sehr gebildet und auch reflektiert sind. Und die letztendlich in einem Land mit wahnsinniger Schönheit leben, das es wert ist zu besuchen. Ich hoffe, ein Umbruch hin zu einem moderneren Iran kann ohne Gewalt und Krieg enden, sondern friedlich: das Potenzial ist aus meiner Sicht definitiv da. Deswegen, wie immer: hinfahren, anschauen, kennen lernen.

Khodahafez Iran khoshgele!

Montag, 26. Mai 2014

Chak Chak, Meybod, Kavanagh und die Wüste. Awesome!



Pünktlich 10 Uhr standen wir gestriegelt und gesattelt in der Hotel-Lobby und warteten auf Masud, unseren Guide für die nächsten 2 Tage. Ein sehr nettes belgisches Pärchen begleitete unsere 4er Gruppe, was uns sehr freute. Kurz vor 11 gings dann auch los – zu Martins Enttäuschung nur in einem stinknormalen Taxi und nicht in einem dicken Jeep.

Meybod
Erster Halt: Meybod und die Narin-Festung. Eine bis heute uneingenommene Festung, die durch intelligente Verteidigungssysteme und die unterirdische Versorgung durch Qanat-Tunnel allen Widrigkeiten und Angriffen getrotzt hat. Außerdem war die Sicht vom Dach auf die Oase auch sehr schön. 
Narin Castle Meybod.
Licht und Schatten.
Oase. Tatsächlich.
Eine kurze Fahrt weiter waren wir dann in einer alten Karawanserei und Masud erzählte uns über Kamele, Karawanen und Teppiche. Romy war auch sehr happy, denn eeendlich konnte auch sie ihren Traumteppich in die Arme schließen.

Diese Architektur. Große Liebe!
Und die Sehenswürdigkeitsdichte wurde noch dichter: gleich neben der Karawanserei, die früher das Handelszentrum der persischen Städte war, stand der Eisturm. Im kalten Winter, in dem hier durchaus auch Schnee und Eis herrschen, wurde Eis gesammelt und zwischen Stroh im Eisturm gelagert. Dieser hielt aufgrund der Architektur so kühl, dass das Eis über den Sommer kaum schmolz und genutzt werden konnte. Als wir jetzt da waren, eignete sich die Architektur zudem sehr gut für eine Gesangseinlage von Masud – inklusive beeindruckender Töne, die ein normaler Mensch unmöglich singen kann. Leider weiß ich nicht, wie dieser Hals-Ton heißt, den die Perser im Hals hervorbringen. Vorschläge gerne in den Kommentaren!


Unser Jeep. Vrooom!
Zurück vom Eisturm erwartete uns dann eine große Überraschung: der Jeep war da! So hieß es raus aus dem engen Taxi, rein in das alte Gefährt. Nicht nur Martins Augen strahlten als wir mit lauter Popmusik durch die Straßen von Meybod in Richtung Chak Chak cruisten.

Chak Chak / Pir-e Sabz
Mitten im Wüstengebirge liegt die wichtigste zoroastrische Pilgerstätte der Welt: Chak Chak oder Pir-e Sabz. Die Legende sagt, dass Prinzessin Nikbanou in den Bergen Zuflucht suchte und kurz vor der totalen Erschöpfung stand. Just an diesem Ort blieb ihr Wanderstock stecken, Wasser trat aus dem Berg und er gewährte ihr Herberge. Daraufhin schlug sie hier ihr Lager auf und aus dem eingesteckten Stock wurde eine gewaltige Linde. Das Wasser tropft noch heute (chak chak chak chak) und mittlerweile sind neben dem Feuertempel auch Herbergen für die Pilgerer, die jedes Jahr Mitte Juni aus der ganzen Welt nach Chak Chak pilgern, aufgebaut. Diese dürfen zu dieser Pilgerreise sogar tanzen und trinken – und das im eigentlich alkohol- und tanzbefreiten Iran!


Pir-e Sabz von innen.
Versteckt im Berg.

...mitten im Nichts.
Kavanagh
Nach dieser lehrreichen Besichtigung gab es im Schatten des Berges leckeres Khorme Sabzi (ohne Alkohol und ohne Tanz ;) ) und so gestärkt düsten wir nach Kavanagh. Die ehemalige Wüstenstadt wurde vor 40 Jahren von ihren Einwohnern verlassen und verfällt seitdem Schritt für Schritt. Mit der Warnung im Ohr, aufgrund der akuten Einbruchsgefahr bitte nicht mit mehr als 2 Personen auf einmal an einem Platz stehen zu bleiben, erkundeten wir die Stadt. Ein bisschen gruselig war es schon, aber die Atmosphäre und das Licht am frühen Abend unvergleichlich.


Kavanagh Scenes.
Landschaft. Wieder: Wahnsinn!
Weite.

Eine Nacht in einer Oase
Inzwischen war es dann schon 17 Uhr und wir machten uns auf den Weg zu dem Schlafplatz für die Nacht – einer Oase mitten in der Wüste. Auf Schotterwegen ging es vorbei an imposanten Bergen, Hügelketten und unwirklichen Landschaften. Musikalisch begleitet durch eine CD von Moein aus den 90er Jahren - aber wie passend war sie doch!


In der Oase angekommen war noch lange nicht an Abendruhe zu denken: Masud zeigte uns Stinkepflanzen, erzählte von Blumen, die nach männlichen Ausscheidungen und Gräsern die so ähnlich wie Rosmarin und Lavendel riechen, aber keins von beiden sind und vom Leben im Iran. Am Ende des Erzählens waren wir dann auch schon am Ziel angekommen: einem kleinen, grünen See im Berg. Aufgrund von ausgefallenen Regenfällen war der allerdings ziemlich mickrig, drüber gesprungen wurde aber trotzdem. 

Nach vielen weiteren Geschichten, einem super leckeren Kamel-Kartoffel-Eintopf mit Fladenbrot, dem Versuch die Sterne zu fotografieren, Shisha rauchen und viel Lachen fielen wir dann gegen Mitternacht eingemummelt auf dem harten Steinboden in den Schlaf.


Lichtspiele.
Schlafplatz.
Canyon-Wanderung
Die Nacht war kurz und dann doch recht hart und so saßen wir um 9 wieder im Jeep in Richtung der ersten Wanderung. Es ging ca. 7 km durch einen wunderschönen Canyon. Die Sonne schien, ein Lüftchen wehte und wir kraxelten durch die Gegend. Am Ende des Canyons warteten dann wieder Sanjat und Akbar und wir kurvten direkt weiter.


Eine Schaukel! In der Wüste!
Der Canyon. Wunderschön!
3 Stunden in der Salzwüste - dem verdursten nah
Mitten in der Salzwüste wurden wir dann erneut ausgesetzt. Akbar, ein ca. 50jähriger, kleiner untersetzter Mann, der bisher als Koch fungierte, übernahm bei dieser Wanderung das Kommando. In einer ziemlich dicken Lederjacke und nur mit einer 1,5l Wasserflasche in der Hand marschierte er im Stechschritt los. Wir, ahnungslos wie wir waren, dachten, dass es wohl eine halbe Stunde durch die Wüste gehen würde, bevor wir am Mittagessen-Treffpunkt ankämen.
Doch weit gefehlt. Fast 3 Stunden liefen wir erst durch die Salzwüste, dann über wellige Kämme und zuletzt auch ziemlich steile Anstiege. Und es hörte nicht auf. Total ermattet und halb verhungert kamen wir dann gegen halb 4 am Lunch-Point an und lagen wie die kleinen Ferkelchen im Schatten. Das überaus leckere Essen (gebratene Zucchini-Scheiben mit gewürztem Reis und Brot) entschädigte uns dann aber für die Strapazen. Merke: unterschätze niemals einen Iraner in der Wüste!
Salz.
Granit.
Weite.
Farbe.
Kaputte Jungs.
Badezeit!
Für die Jungs gab's dann noch was richtig Cooles: ein Bad in einer Minioase. Super witzig, mitten in Geröll und Bergen war ein kleiner Teich ausgehoben, der mit Salzwasser gefüllt war. Ich traute mich immerhin bis zu den Knien rein, was sich nach Tagen vorbildlich hejab sein schon seeeehr verwegen anfühlte. Die Jungs sprangen und hüpften aber im Wasser herum und erfreuten sich ihres Lebens.

Sandwüste bei Fahraj - und eine Panne danach
Nach Geröll und Salz kam jetzt der Teil der Wüste, den man sich eigentlich unter Wüste vorstellt (ich jedenfalls): Sand! Im wunderschönen Licht des frühen Abends entdeckten wir die Sanddünen kurz vor Faraj. Und es war so, so, so toll! Sand überall, ein Wahnsinns-Panorama und pures Glück brachte uns alle zum Grinsen.


Happyness.
Dünen.
Sand.
:)
Mit der Aussicht auf einen Blick auf das Babykamel (2 Tage alt!!! Ohhh!) von Masuds Bruder traten wir den letzten Teil der Reise an. Im Licht der untergehenden Sonne sangen und tanzten wir im Jeep Faraj entgegen. Bis…auf einmal der Jeep stehen blieb. Wir dachten, es gäbe noch etwas zu sehen und beugten uns erwartungsvoll zu Sanjat. Doch er guckte eher bekümmert und fragte: ‘Do you remember what happened to you when you came back after your walk to the desert?’ Wir: ‘?!?’ Er: ‘Well, you have been hungry, no?’ Wir: ‚Äh, yes.‘ Und er: ‘Now my car is hungry.’

Nach kurzem Unglauben war es dann Wirklichkeit: Benzin alle. In der Wüste. Kurz vor Sonnenuntergang. Schön! Gottseidank war ja Masud mit einem weiteren Auto hinter uns und die Männer versuchten das Benzin vom kleinen in das große Auto zu pumpen. Währenddessen genossen wir den Sonnenuntergang, schossen viele Fotos und reagierten auf einen vorbeifahrenden Zug mit hysterischem Winken. Nach einer dreiviertel Stunde war dann wieder etwas Benzin im Tank (nach dem alten Gartenschlauch-Ansaug-Trick.  Bäh, armer Akbar.) und wir fuhren gen Faraj. Doch das Babykamel würden wir aufgrund der Verspätung traurigerweise nicht mehr sehen.
Reisegruppe Persien extended version.
Eine Dusche fühlte sich dann auch schon lange nicht mehr so gut an und so frisch gepflegt aßen wir wie in einer großen Familie an einer großen Tafel zu Abend. Und dann hatte Masud noch eine Überraschung – wir dürften doch das Babykamel sehen! Juhuuuu! Große Freude und Quietschen bei den Mädels, verhaltene Reaktion der Jungs.
Das Babykamel war super niedlich, doch seine Mama und die anderen Kamel echt gaaanz schön groß. Vor allem im dunklen Stall!
Glücklich und voller Eindrücke der vergangenen Tage gingen wir in das weiche, große Bett. Am nächsten Morgen verabschiedeten Johannes und ich uns von Martin und Romy, die bereits nach Hause flogen. Für uns ging es noch weiter nach Shiraz, der Perle des Südens…

Montag, 11. November 2013

Niedrige Erwartungen hoch übertroffen: der Gardasee


Als ich im März mit meinem Vater über Angebote für einen Geburtstagskurzurlaub als Geschenk für den 50. Geburtstag meiner Mutter grübelte, erntete er beim Vorschlag Gardasee ein Kopf-schütteln meinerseits. Denn der Gardasee war in meinem Kopf verbunden mit: nur Deutschen, Teutonengrill und kleines Mallorca. Nur widerwillig ließ ich mich dann aber doch darauf ein und so schenkten wir der liebsten Mama zum Geburtstag einen Familientrip mit Mama, Papa, Franzi und Schwesterkind in ein 4-Sterne Hotel in Riva del Garda.

So ging es dann im vollen Auto früh am Morgen des Tags der deutschen Einheit los gen Süden: 850 km lagen vor uns, welche mal schneller und mal langsamer abgefahren wurden. Dank des strahlenden Sonnenscheins hatten auch viele weitere Tagesausflügler und Urlauber rund um München die gleiche Idee wie wir und so zog sich die Reise etwas hin. Aber: ich hab auch schon für viel weniger Kilometer um einiges mehr Zeit gebraucht und das ohne die grandiose Aussicht auf die Alpen.

Riva del Garda erwies sich dann bei einem ersten Stadtbummel tatsächlich so ein bisschen als das, was ich befürchtete: viele Touristen und die meisten davon Deutsch. Jedoch war das kleine Städtchen aber auch wirklich bezaubernd: alte Häuser, italienischer Flair und das alles mit dem Wahnsinnspanorama der Berge und Seen drum herum.

Frühstücksraumimpressionen.

Geschwisterliebe.

Hotelausblick die zweite.

Am nächsten Tag hieß es nach ausgiebigem Frühstück inklusive Schwesterkind-20.Geburtstags-Kuchen-Völlerei dann ab in die Laufschuhe, die Cascata de Verone, ein Wasserfall, wollte besichtigt werden. Der Weg dahin sollte ca. 30 Minuten zu Fuß dauern und durch Stadt und Land führen. Gesagt, getan, aber leider aufgrund schlechter Planung ungenügend ausgeführt:

1. Fail: Abkürzungen sollte man nur nehmen, wenn man sich wirklich auskennt. Wir berücksichtigten dies nicht und landeten auf dem abgeschlossenen Gelände des Krankenhauses, aus welchem wir nur durch viel Lächeln und meine rudimentären Italienischkenntnisse wieder fliehen konnten.
2. Fail: Richtige Karten nutzen, nicht welche, wo Wege und Pfade an völlig falschen Stellen eingemalt sind. So landeten wir kurzzeitig auf einem dicht befahrenen Kreisverkehr, auf dem Fußgänger eigentlich nichts zu suchen hatten...
3. Fail: Richtig informieren: kurz vor dem vermeintlichen Ziel standen wir an einer Straße ohne Fußweg, aber vielen Autos. Da es zudem 12:15 war, und meine Mutter gelesen hatte, dass der Wasserfall wohl 12:30 bis 14:00 nicht geöffnet hätte, kehrten wir unverrichteter Dinge etwas grumpy wieder um. All die überwundenen Hindernisse vermeintlich umsonst!

Irrwegswanderung.

Doch: wer möchte so schnell aufgeben! Nach einem kleinen Mittagsschläfchen wurde Anlauf Nummer zwei, diesmal mit Auto, gestartet, der Cascata del Varone (sehr imposant, jedoch für 5,50 Euro etwas teuer) angeschaut und danach noch mehr Höhe durch viele Serpentinen gewonnen.

Nasser Wasserfall.

Cascata del Varone.

In Tenno schauten wir uns aufmerksame Wachkatzen, alte Häuser, süße Gassen und tolle Ausblicke an. Sehr hübsch. Am gleichnamigen Lago di Tenno bedauerten wir das Fernbleiben der Sonne sehr - denn mit Klärchen hätte der so schon türkisfarbene See sicher noch mehr gestrahlt. Nichtsdestotrotz umrundeten wir den See einmal - inklusive Treppensprint, lustiger Eselchen und waghalsiger Kletteraktionen über Steine - voll Abenteuer und so!

Süßes Haus in Temo.

Lago di Temo - find mich!

Nachdem die Planung für diesen Tag ja eher fehlgeschlagen war, übernahm ich das dann für den zweiten Tag. Auf nach Arco ging es, in die Stadt der bunten Marken-Outdoor-Klamotten, Kletterer und Poser. Mit meiner grauen Burton Weste und einer stinknormalen Jeans fühlte ich mich hier definitiv underdressed, bzw. eher undercoloured. In der Eisdiele bekam ich dann aber trotzdem mein lecker italienisches Gelato, yeah.

Aber wir waren ja wegen der Burg und dem botanischen Garten da, nicht um mit den Kletterern modisch mitzuhalten. Das Schönste am botanischen Garten war der Koi-Teich, in dem neben kleinen Kois auch zwei riiiiesen Kois sowie herzige Schildkröten schwammen. Und Pummelos gab es auch! <3

Auf einem Vorsprung über der Stadt lag dann die Burg von Arco - welche wirklich schön anzuschauen und mit nur 3,50 Euro Eintritt auch preislich total ok war. Man konnte Prinzessin spielen, den tollen Ausblick genießen, gruselige Gefängnisse begutachten und durch die vielen Informationstafeln war es auch noch lehrreich.

Botanischer Garten Arco - Koi vs. Turtle.
Arco Festung.
Steiler Aufstieg.
Familie - unschwer erkennbar.

Engel und Tauben. Ein Geben und Nehmen.

Laufen, wandern und Radfahren kann man am Gardasee ja vorzüglich - so ließen mein Papa und ich es uns nicht nehmen, noch einmal die Bastion oberhalb der Stadt zu besteigen. Leider war das schlechte Wetter noch schlechter geworden und ein fieser Nieselregen kroch einfach überall hin. Der Ausblick von oben war aber dennoch sehr schön, wenn auch sehr grau. Gerne wäre ich noch weiter hochgekraxelt, bis zur Kapelle Santa Barbara, aber es war schon ziemlich spät und die Sicht aufgrund der tiefhängenden Wolken eh eher mau. Also schlenderten wir wieder bergab und trafen die Mädels bei ihrer Shoppingtour.

Riva del Garda von oben + Franzi.

Fazit: wunderschöne Landschaft, leider blödes, regnerisches Wetter, ganz hübsches Hotel mit überragendem Essensraum und Whirlpool, tolle Wanderstrecken. Mein negativen Bilder vom Gardasee sind vertrieben und ich komme definitiv zurück um mir das Ganze mit Sonne und Fahrrad mal nochmal anzuschauen.