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Mittwoch, 29. April 2015

Ein Roadtrip durch Zentralmarokko.


Am Tag nach der großen Fahrerei war mein Bauch wegen der fiesen Fische am Hafen von Essaouira noch nicht so ganz wiederhergestellt und statt einer langen Wanderung planten wir jetzt einen Trip nach Agdz und Zagora. Bereits beim hinausgehen gab uns dann unser Hotelbesitzer noch den Tipp, zur Oase von Fint zu fahren, da diese nicht so weit weg und sehr schön sei (und nicht im Lonely Planet, muah).

Solche Tipps nehmen wir doch immer gerne an und so ging es auf gen Oase. Zuerst auf super Straßen, danach folgten Schotterstraßen und daraufhin ein Weg, der eigentlich nur mit 4x4 Autos zu befahren ist. Der Polo hielt aber tapfer durch und als wir schon dachten, wir würden gar nicht mehr ankommen, tauchte die Oase wie aus dem Nichts auf. So cool muss sich das also früher angefühlt haben, als man nach mehreren Tagen in der Wüste die rettende Oase sah.

Idris, das 4x4 saharienne und Franzbert.
Grün.
Feeling small.
Njomm.

Auf der Straße stand dann Idris, der uns die Oase zeigen wollte. Er wirkte nett und zeigte uns Felder, Blumen und den Fluss, erzählte uns von den vier Dörfern mit ca. 1.300 Einwohnern und wie sie ihr Leben abseits der Welt gestalten. Er zeigte uns auch den schönen Blick über die riesige Oase und die Grundschule, die immerhin 120 Kinder besuchen.

Nach Tee, leckeren Hühnerspiessen und einem Trinkgeld für den alten Parkplatzwächter war der schöne Vormittag dann auch schon vorbei und wir cruisten weiter, Richtung Agdz. Die Stadt, 50 km von Ouazazate entfernt, liegt auch in einer Oase und der Weg dahin war super cool. Berge, Landschaft und Serpentinen. Tagsüber machte das Fahren auch gleich noch mehr Spaß und wir hielten immer mal an, um die Landschaft zu genießen.

Selfiiiie.
Landschaft. Schönschönschön.
Kamele I
Schon der Blick auf Agdz war dann wieder sau cool: ein paar Häuser und danach ein riesen Palmenhain, die Palmeraie. In der Stadt suchten wir dann nach der Kasbah Caid Ali und fanden sie nach einem Hinweis auch. Versteckt hinter Mauern tauchte sie auf  und eine sehr nette Französin, deren Mann (und dessen Vorfahren) die Kasbah und das Land gehören, führte uns herum und erklärte uns für 30 Dirham (ca. 3 Euro) auf Deutsch die Kasbah.

Kasbah Caid Ali.
Blick. 
Sie erzählte uns lauter interessante Sachen über die Bauweise der Häuser in Marokko, die aufgrund der riesen Temperaturschwankungen einiges aushalten müssen. So sind im Sommer hier bis zu 45 Grad, im Winter hingegen bis -5. Durch Luftdruck, intelligentes Lüften und Wohnen wird dieser Tatsache aber entgegen gewirkt so gut es geht. Das absolute i-Tüpfelchen war dann der Wahnsinns-Blick über den Palmeraie und die Berge.

Auf dem Rückweg hielten wir dann noch im Zentrum von Agdz und ein älterer Herr sprach uns an (wie immer, wenn wir nur irgendwo auftauchten). Bald kamen wir auf unsere Nationalität zu sprechen und er bat uns sein Fotobuch zu übersetzen, dass ihm sein Freund aus Deutschland geschickt hatte, Xaver. Da sagt man natürlich nicht nein und begleiteten ihn in seinen Laden. Ich übersetzte das Buch für ihn (wie viele das wohl schon getan hatten?;)) und wir tranken noch einen Tee. Als Erinnerung wollte er ein Foto im typischen Gewand und mit Turban und dem langen Umhang posierten wir in seinem Hinterzimmer. 

Überzeugende Berber. 
Mit einem Bauch, der wieder wie neu war, wachte ich am nächsten Morgen auf und konnte mich endlich ganz in das leckere Frühstück stürzen - eine Art Blätterteig triefend vor Honig, njomm. Nach diesem checkten wir aus und liefen unter grauen Wolken und leisem tröpfeln in Richtung der riesigen, imposanten Kasbah am Berghang. 

Auf der Kasbah von Haid Ben-Haddou stiefelten wir etwas herum und bewunderten die schöne Aussicht. Es war recht kühl und so blieben wir nicht länger als nötig, denn die Fahrt nach Taroudannt lang schließlich noch vor uns.

Kasbah.
Bilder.
In Taroudannt kurze Bestürzung: die Stadt war gar nicht so klein, wie an der Anzahl der wenigen Touristen-Hotels auf Tripadvisor und Booking.com gedacht. Da wir diesmal die Strecke zum Hotel nicht vorgeladen hatten, waren wir kurz etwas aufgeschmissen - denn in der Medina mit dem Auto rumsuchen war aufgrund der Größe der Stadt (über 70.000 Einwohnern) einfach unmöglich. Merke: vorher schonmal auf Wiki schauen, was das nächste Reiseziel so kann. 

Nachdem weder Passanten noch die Polizei uns den Weg zu unserem Riad zeigen konnten, schmiss ich dann doch mal das mobile Internet an (99 Cent pro MBit, roaming tut doch ganz schön weh) und lud den Weg vor. Wir fanden dann immerhin in die Nähe des Riads, standen dann jedoch statt im Riad im ultra schicken Vorgarten eines älteren Herren. Sein Butler zeigte uns dann jedoch den Weg zu unserer Unterkunft, dem Riad la Princesa, die sich als sehr klein und sehr hübsch herausstellte. 

Abends fanden wir dann auch heraus, warum die Stadt so wenige Hotels auf den üblichen Seiten hatte: es gab einfach kaum Touristen. Wir fanden das natürlich ganz angenehm, konnten wir doch so auch mal die 'echte' Seite Marokkos kennen lernen.
Markt.
Real life.
Riad. Unaufgeräumt.
Pläne sind ja immer dazu da, sie zu ändern, das war schon immer mein Reisemotto. Der Plan dieses mal war es, den Tag in Taroudant und am nächsten Tag vor der Abgabe des Autos in Marrakech noch ein bisschen Zeit am Meer zu verbringen. Da jedoch das Wetter am 2. Tag deutlich schlechter sein sollte, entschieden wir uns spontan, den Tag in Taghazout zu verbringen um noch ein bisschen Farbe zu tanken und ein paar Wellen zu surfen. 

Also setzte ich mich hinters Steuer und los gings, 100 km gen Westen. Google Maps hatte uns zwei Routen ausgespuckt, die unserer Meinung aber nicht über die sinnvollste und direkteste Straße führten. Auf dem Rückweg merkten wir dann, das Google doch immer recht hat, denn die angebotene Route war viel besser. Merke: traue Google - es hat meistens Recht. 


Surf.
<3
Deutschland?
Kamele II.
Durch Agadir ging es an vielen Kreisverkehren vorbei und bald erreichten wir den Strand vor Taghazout. Die Sonne schien, das Meer war kalt und es folgte ein purer Relaxtag ohne besondere Vorkommnisse. Da die Tide gerade dabei war, abzufließen waren die Wellen nicht so doll, doch ohne Board war das aber dann auch nicht ganz so schlimm. Mit Burger und einer kalten Cola ließen wir den Tag ausklingen.

Donnerstag, 20. November 2014

Das erste Mal in Afrika - hi Essaouira!


Better late than never - das ist wohl das Motto dieses Blog-Posts. Vor mittlerweile etwas mehr als einem halben Jahr machte ich mich auf nach Marokko....

3 Wochen nach meinem letzten Ausflug nach Frankreich im Oktober machte ich mich wieder auf den Weg - um endlich mal Afrika zu sehen. Da meine Eltern (hallo Papa!) mit uns nie Pauschalurlaube in Ägypten, Tunesien und Co. machten (Danke Papa! :) ) und ich es einfach bisher noch nicht in diese Gefilde der Welt schaffte, war die Vorfreude auf einen neuen Kontinent besonders groß.

Los ging es diesmal in Frankfurt Hahn - hässlicher Flughafen, Charme = 0. Aber was will man von einem Flughafen, von dem fast nur Ryanair abfliegt, schon erwarten (und hey - für einen Flug für 36 Euro (+15 Euro Gepäck nehme ich das gerne in Kauf!). Immerhin hat Ryanair jetzt auch die Sitzplatzzuweisung vor dem Flug eingeführt, so dass das große Drängeln auf das Einchecken ausgeblieben ist.

Gelandet in Marrakesh hieß es mal wieder anstehen bei der Passkontrolle - da schätzt man reisen in Europa dann doch sehr. Nachdem aber auch das überstanden war und ich auch meinen Rucksack wohlbehalten in die Arme schließen konnte, erblickte ich am Ausgang gleich den beim Hostel bestellten Fahrer. Normalerweise ist das ja nicht unbedingt meine Art, aber ich wollte mich nicht unbedingt im Dunkeln in den verwirrenden Gassen der Medina verlaufen. 

Und am Hotel angekommen, wurde ich gleich mit der unangenehmen Seite Marrokkos konfrontiert: über den Tisch gezogen werden. Trotz Fixpreises auf der Hostelseite forderte der Taxifahrer einen höheren Preis und da der Mann nach wiederholtem Widersprechen meinerseits immer böser wurde, beschloss ich, die Sache im Hostel zu hinterfragen.

Im sehr hübschen Equity Point Hostel klärte sich die Situation beim Einchecken dann aber sehr schnell und ich bekam mein Geld zurück. Bei Humus und frischem Brot lernte ich schnell ein paar andere Reisende kennen und so klang der Abend beim üblichen Austausch von Geschichten aus.

Der ursprüngliche Plan war eigentlich, schon am Ankunftsabend mit dem CTM-Bus nach Essaouira zu reisen um länger Zeit in und am Wasser zu haben. Durch die späte Landezeit war mir das dann aber doch recht knapp und so befand ich mich erst am nächsten Morgen um 8 Uhr an der Busstation von Supratours ein - ohne vorher ein Ticket gebucht zu haben. Jeder, den ich fragte (auch das Internet), war da ja skeptisch gewesen und ich hörte immer: 'Jaaa, da wirst du keinen Bus kriegen, da muss man mindestens 3 Tage vorher buchen, super voll, keine Chance, niemals, nein nein nein'.

Davon ließ ich mich dann aber nicht abschrecken, stellte mich an den Schalter, hatte nach 2 Minuten mein Ticket, saß nach 10 Minuten im Bus und um 11:30 Uhr war ich in Essaouira. Et voilá - wieder mal bewahrheitete sich die alte Devise: einfach machen!



Aus dem Bus raus schüttelte ich erstmal alle nervigen Menschen ab, die einem Hotels, Tragedienste und sonst was andrehen wollen und stiefelte los, gen Hostel. So dachte ich jedenfalls. In echt stellte sich die Geschichte als etwas schwieriger raus, denn so eine Medina ist auch mit Licht recht unübersichtlich. Ich verlief mich also erstmal so richtig und da ich kluger Mensch auch die Karte von Essaouira auf dem Handy nicht vorgeladen hatte, konnte mich auch der blaue GPS- Punkt nicht retten. Eine sehr nette Marokkanerin tat dies dann aber und zeigte mir den Weg zum Riad Dar Afram

Mauerliebe I
Mauerliebe II

Dieses ist sehr hübsch, hat einen super netten marokkanisch-australischen Besitzer und Blick aufs Meer, yeay. Nach einem kurzen Verschnaufen meldeten sich Hunger und Neugier und ich machte mich auf Richtung Strand. Ich war ja schließlich zum Surfen da!

Am Strand erstmal Enttäuschung: ultra kleine Wellen (selbst für mich) und ein bisschen dreckig. Dazu kam noch der bewölkte Himmel: Mäh. Nach einem kurzen Schnack mit dem Board-Verleiher kam jedoch die Hoffnung zurück: mit High Tide am Nachmittag wäre alles besser. So sprang ich dann am Nachmittag mit einem Longboard bewaffnet in die Wellen und hatte echt Spaß - klein aber powerful ist die Devise.

Mit meinen betrunkenen, englischen Zimmerkollegen verbrachte ich dann einen sehr lustigen Abend und habe gleich noch einen Restauranttipp: das Elizir. Super, super leckeres Essen und super cooles Interieur - da konnte ich auch den etwas höheren Preis (ca. 18 Euro für 3 Gänge und Wein) verkraften. Am besten vorher reservieren, da die Plätze sehr begehrt sind.
Leckerstes Essen im Elizir.
In den nächsten zwei Tagen in Essaouira stromerte ich durch die Gassen, ging surfen, ass Fisch am Hafen (merke: Hände desinfizieren und nicht nur waschen beugt Magen-Darm vor. Auauaua. ) und chillte auf der Hostel-Dachterrasse.

Meer sehen.
Fisch sehen.
Vögel sehen.
Boote sehen.
Sonnenuntergang sehen.
Menschen sehen.
Irgendwann waren aber aufgrund der nur kurzen Reisezeit aber auch die schönen Tage am Meer passé, da wir (mittlerweile war mein Kumpel Kevin, mit dem ich letztes Jahr schon in Porto war, auch angereist) ja auch noch mehr vom Land sehen wollten, als nur Essaouira. Zunächst planten wir ja eigentlich nur mit Bus herumzureisen. Das wurde aus Zeitgründen verworfen. Dann wollten wir ein Auto in Essaouira mieten und über Taghazout und Taroudant nach Ouazazate fahren. Da es aber nur windige Autovermieter gab, düsten wir mit den englischen Jungs nach Marrakesh und besorgten uns dort einen Mietwagen.

Dies war wieder mit vielen Diskussionen verbunden, so wie eigentlich jedes Geschäft in Marokko. Als wir dann endlich im Auto saßen, war es fünf und somit fast schon dunkel. 240 km lagen vor uns, Google Maps meinte, es wären ca. drei Stunden zu fahren. In Reiseführern und Internetforen schrieben alle, man solle doch bei Dunkelheit besser nicht fahren, wir waren aber mutig und so schlimm waren die Straßen bisher ja auch nicht gewesen.

Nach dem Gewusel durch die Stadt war die Straße die ersten Kilometer dann auch ganz ok, bis wir dann zu den ersten Bergen kamen. An einem der Berge überholten wir einen Lkw, der mit 20 km/h den Berg vor uns hinauf kroch. Leider war die Linie durchgezogen und noch mehr leider entdeckte dies auch die Polizei, die oberhalb der Stelle stand.

Diese zog uns dann also raus und meinte, dass das Überholen an einer durchgezogenen Linie 700 Dirham (ca. 70 Euro) kosten würde und ein Verstoß erster Güte wäre. Shit. Also Führerschein, Pass und Papiere raus gegeben und dann zum Polizeiauto. Nachdem ich vorher schon versucht hatte, den Preis zu drücken und der Polizist uneinsichtig schien, kam das Angebot, die Strafe auf 300 Dirham (ca. 30 Euro) zu drücken, recht überraschend.

Angenommen haben wir es aber natürlich! Mit einem netten Lächeln, charmantem Auftreten und etwas französisch kann man halt doch einiges erreichen. Auf dem weiteren Weg trafen wir auch noch auf zwei weitere Polizeikontrollen, die uns aber ohne anhalten durchwunken. 

Weiter ging die Fahrt durch Serpentinen und enge Kurven, hinter extrem langsamen Lastern her, welche mit 15 km/h den Berg hochzuckelten (und die wir uns kaum noch zu überholen trauten, da fast immer der Strich durchgezogen war) und blendendem Gegenverkehr. 

Statt drei Stunden haben wir am Ende fast fünf gebraucht und unsere Ankunft war dann erst um 22 Uhr. Beim Buchen des Zimmers hatte ich jedoch vorher angegeben, dass wir ca. 18 Uhr ankommen werden und war dementsprechend angespannt (sorry Kevin!), ob wir überhaupt noch ein Bett bekommen würden. Der nette Hotelbesitzer war jedoch noch wach und auch das wirklich hübsche Zimmer mit dem weichen Bett war noch für uns reserviert.

Sonntag, 19. August 2012

Carcasonne - Lac du Salagou - Arles

Weg vom Meer, rein ins Landesinnere, Carcasonne it is! Vom Meer aus ging es an Bizanet vorbei auf der Autoroute des Deux Mers (hach, die Franzosen haben so hübsche Namen für ihre Autobahnen!) gen Carcasonne.

Bei leichtem Nieselregen kamen wir in der hübschen alten Stadt an und suchten zuerst einmal die Burg. Mit Tomaten auf den Augen fuhren wir einmal quer durch Carcasonne, immer auf der Suche nach dem berühmten, angeblich riiiesigen Denkmal. Doch es tauchte einfach nicht auf. Beim umkehren stach es uns dann wie mit einem spitzen Pfeil ins Auge - wie zur Hölle konnten wir das nicht sehen?!


Für alle, die auch per Auto hinwollen: sie ist direkt am Ortseingang, links der Pont Neuf.

Also rein ins Vergnügen. Umgeben von lauter Menschen und Touristen, die wir nach den letzten Tagen ja nicht so gewohnt waren, erklommen wir Carcasonne Cité. Die Burg ist zunächst ohne Eintritt und man kann durch die alten Gässchen schlendern und die zahlreichen Schnick-Schnack Lädchen besuchen.

Im Inneren der Burg und der ursprünglichen Festung ist nun ein Museum für die Geschichte der Cité untergebracht. Dieses kostet normalerweise 8 Euro Eintritt, für unter 25-jährige EU Bürger ist es aber kostenlos.

Im Inneren der Festung Carcasonne
Skepsis vor alten Gemäuern.

Im Inneren gibt es geführte Rundgänge oder man kann sich die Geschichte dank der vielsprachigen Flyer selbst erschließen. Was wir auch taten. Ein Film mit Spezialeffekten brachte uns auf eine fancy Art und Weise die Hintergründe dar beim Ablaufen des Rundgangs sahen wir alles live. Wir liefen übrigens fast die ganze Zeit hinter einem älteren deutschen Pärchen her, welcher ihr in einem belehrenden Ton die Geschichte von Carcasonne runter betete. Yay!

Nachdem ein fetter Schauer vorbeigezogen war, gingen wir dann noch in die eigentliche Stadt Carcasonne. Dort verirrten wir uns mehr oder weniger zufällig in ein Museum, in welchem uns ein mehr als aufmerksamer Führer mehr oder weniger interessante Dinge erzählte. Über eine halbe Stunde lang. Er stellte uns die Stadt vor, die Hinterhöfe, seine Bewohner, Eigenheiten...

Schaufensterhund in Carcasonne
Nun ja, immerhin konnten wir Interessantes mitnehmen: einige Häuser in Carcassonne haben unter der Dachrinne noch einmal Abstufungen in Wellenform. Je nachdem wie viele dieser Abstufungen an einem Haus sind konnte man den Stand des jeweiligen Bewohners ablesen (eine - Händler bis hoch zu vier - Repräsentant des König oder Papstes)



Insgesamt fand ich Carcasonne wirklich sehr hübsch und es war auch imposant, was die damals schon für Anlagen hochgezogen haben.  

Nachdem Peter in Carcasonne auch eine Karte von Languedoc-Roussillon und der Provence erstanden hatte, suchten wir uns auf dieser doch direkt mal den nächsten Schlafplatz aus. Die Wahl fiel auf den Lac du Salagou, geographisch wieder gen Norden gelegen, da wir am nächsten Tag wieder in Marseille sein mussten.

Lac du Salagou

Durch verregnete Täler, Weinanbaugebiete und immer bergiger werdendes Land ging es dann also Richtung Clermont l'Herault. Kurz vor dem See erfasste uns nochmal Zweifel, ob dieser See überhaupt zugänglich sei, denn so richtig konnte man nichts erkennen. Doch wir fuhren einfach mal weiter, was sich mal wieder als eine mehr als richtige Entscheidung entpuppte. Die Karte lag also doch nicht falsch: die Straße führte tatsächlich bis an den See heran und wir ergatterten neben einigen anderen wild-campenden Wohnmobilen noch einen Platz direkt am Wasser.

Campingplatz.

Am nächsten Morgen war der Anblick des Lac du Salagou einfach nur traumhaft: grüne Hügel spiegelten sich im See, während der rote Waldboden für einen tollen Rahmen sorgte und die Sonne strahlte.

Lac du Salagou
Nach einem Bad im See und einem ausgiebigen Frühstück zogen wir dem letzten Stopp des Trips entgegen: Arles, die berühmte Van Gogh Stadt.

Arles

In Arles war es ziemlich heiß. Vor allem in der Mittagshitze. Nichtsdestotrotz zogen wir los (von unserem mehr als safen Parkplatz direkt neben der Polizei) und guckten uns die Gäßchen, das Amphitheater und die Arena an. Belohnt haben wir uns dann mit einem eiskalten Kaffee in einem kleinen Café.




Alles in allem war es wirklich traumhaft schön - einfach drauf los fahren und schauen was passiert und wo es einen hin verschlägt ist einfach die perfekte Art zu reisen. 

Dienstag, 14. August 2012

Cap d'Agde - Gruissan. Von Fliegen und der Suche nach einer Dusche.

Ab in den Bus und das nächste grobe Ziel angepeilt: Cap d'Agde. Es ging immer am Meer entlang vorbei an Sète, einer ziemlich hässlichen Industriestadt, gefolgt von langen Stränden mit vielen Parkplätzen und einer schnurgeraden Straße.

Cap d'Agde

In Cap d'Agde angekommen kam der große Schreck: DAS soll schön sein? Eine Art Rimini für (man nehme an) mittelständige Franzosen, lauter Ferienhäuser aneinandergeklatscht, inklusive großem "Yacht"-hafen, Vergnügungspark und Muttis mit weißen Hosen und Hündchen an der Leine. Der Zugang zum Strand war auch nicht mehr wirklich gegeben, wir haben das Meer nur über den Hafen gesehen.

Die Entscheidung war schnell gefällt: weiterziehen! Also Punkt auf der Karte ausgesucht, der gut aussah und wieder rein in den Bus. Und da wir kleine Glückskinder sind, war dieser Punkt auf der Karte wirklich hübsch. An einer Flussmündung am Meer gelegen, am Étang du Clos du Vias. Bis auf einen einsamen Angler war auch hier wieder kaum ein Mensch. Mit einem sehr leckeren Abendessen bei einem grandiosen Sonnenuntergang (Oliven, Baguette, Lachscréme, Tomaten, Guacamole - was will man mehr?!) und einem Gläschen Wein wurde die Fahrt begossen.



Am nächsten Morgen waren dann doch ein paar Menschen mehr da, also zogen wir weiter. Gruissan noch weiter im Süden war das Ziel, bekannt für den guten Wind und die perfekten Kitemöglichkeiten. Die Fahrt dahin führte durch weitere Feriendörfer wie Cap d'Agde, die allerdings Mitte Juni noch wie ausgestorben dalagen. Gruselige Sache, wenn alle Geschäfte verrammelt sind und kaum ein Mensch in den sicher sonst sehr geschäftigen Straßen herum läuft.

Gruissan

In Gruissan war es eher bedeckt und auch der Wind war mau. Nach kurzen Orientierungsschwierigkeiten ging es dann an einen kleinen, flachen Tümpel auf dem ein paar Kitesurfer gesichtet wurden. Ich machte es mir mit dem Spiegel bequem, Peter zog es aufs Wasser. Aber wegen dem eher nicht-existenten Wind dauerte das nicht lange an und wir zogen bald weiter. Wieder an einen riiiiesig langen Strand. Dort war diesmal wirklich niemand, also so richtig niemand! Nur das Lagerfeuer und wir.

Melone mampfen nach dem kiten.

Bis auf einen älteren französischen Herren und seine Frau. Diese schneiten so kurz nach Sonnenuntergang bei uns vorbei und fragten nach unserem Wohlbefinden. Die Zwei hatten mit ihrem Wohnmobil/Van (außen pfui, innen hui!) schon so einiges erlebt, waren zum Beispiel schon in China mit dem Gefährt. Es endete damit, dass Mr. Frenchie uns den selbstgebrannten Pflaumenschnaps anbot und wir dieses Höllenzeug tranken. Und zusätzlich noch die Flasche geschenkt bekamen.

Ach ja, und wer noch da war, waren tausende, was sag ich, abermillionen Fliegen! Die es sich natürlich alle IM Bus gemütlich gemacht hatten. Vor dem schlafen gehen hieß es also, die Decke des Busses in einen Fliegenfriedhof zu verwandeln. Mittels fiesem thailändischem Mückenspray und viel Papier klappte das auch ganz gut.

Am nächsten Morgen waren die Fliegen schon wieder eifrig zur Stelle (vielleicht waren deswegen keine Menschen hier?!) und wir ergriffen schnell die Flucht. Der Plan war es, eine Dusche zu finden, nachdem das letzte Mal in Montpellier frisches Süßwasser über den Körper geflossen war. Nach rumirren und Überlegungen, in einen Zeltplatz hereinzumarschieren endete es dann in einer kalten öffentlichen Dusche am Strand. Wasser hat sich noch nie so gut angefühlt!

Nach einer weiteren Ehrenrunde zum Strand (à 30 Minuten), weil Peters Flip Flops einfach weg waren, ging es dann weiter. Carcasonne stand auf dem Plan...

Dienstag, 31. Juli 2012

Von der Camargue nach Montpellier

Schon bevor ich nach Marseille fuhr, wurde der Plan geschmiedet, mit Peters VW Bus einen Roadtrip durch Südfrankreich zu machen.

Und so fuhren wir einfach mal los. Die Reisegeschwindigkeit war gechillt, so ein Van fährt dann halt doch keine 140. Die MP3 Player waren gefüllt mit guter Musik, die Sonne schien und das Grinsen ging wieder mal nicht aus meinem Gesicht.

Roadtriiiip!
Martigues

Der erste Zwischenhalt wurde in Martigues gemacht. In der vorher organisierten Karte vom Touristenbüro als "Klein-Venedig" bezeichnet, erwartete uns ein kleines Städtchen mit ein Paar Kanälen und erstaunlich wenig Menschen auf den Straßen. Ein paar alte Boote im Hafen und der blaue Himmel luden zum knipsen ein.

Martigues

Martigues Hafen
Camargue

Zweites Ziel: die Camargue. In meinem Kopf merkwürdigerweise als karge Landschaft mit Pferden in der Kälte (?!) abgespeichert, entpuppte sie sich beim Näherkommen als wunderschöne Landschaft mit viiiielen Flamingos, Wasser und flirrender Hitze. Zwischen den Salzseen führten erhöhte Wege bis zum breiten und langen Strand, der als Schlafplatz dienen sollte. Der Plan war es, über diese Wege mittels Navi bis ans Meer zu kommen. Klingt einfach, war es aber nicht.

Uns wurden nämlich im wahrsten Sinne des Wortes Steine in den Weg gelegt. Die Nationalparkverwaltung hatte auf den Zugangsweg den wir nutzten, große Brocken hingepackt an denen wir nicht vorbeikamen. Schlau wie wir sind, dachten wir, wir könnten doch auch drum rum fahren.

Gesagt, getan. Doch nur bis zur Mitte des (dachten wir) ausgetrockneten Flussbettes. Dann stand der Van bis zum Radkasten im Schlamm, und kam da auch nicht so einfach wieder raus. Doch dank wirklich sehr, sehr freundlicher Franzosen  mit ihren 4x4 Geländewagen konnten wir etliche Versuche und einer Stunde später wieder festen Boden erreichen. Jetzt weiß ich immerhin, wie viele Allradwagen man braucht, um einen schweren Van aus dem Schlamm zu ziehen: ganze vier Stück waren es! Zudem merkten wir auch, dass die Sache mit dem Denken doch nicht immer klappt und so ein Van schwerer ist als er wirkt. 

Der Ort des Geschehens.
Die Retter in Not
Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir dann endlich am Strand an. Und die Mühe hatte sich echt gelohnt: kaum Camper da, tausende Meter Platz um uns herum und ein wunderschöner Sonnenuntergang. Am nächsten Tag packte Peter sein Kite aus, doch der Wind war eher mau. Die Chance für mich, Bräune zu tanken :) Am frühen Nachmittag fuhren wir dann durch die Camargue zum nächsten Stopp, vorbei am Étang de Vaccarés, mitten durch Pferde, Büffel, Flamingos, vorbei an alten Häusern, Kanälen und durch ein ständiges Spiel von Schatten und Sonne. 

Sunset in der Camargue

...und das in Europa!

Leaving nothing but footprints


Montpellier

Station Nummer zwei war nahe: Montpellier, wo wir abends auf eine Party von einer Freundin von Peter eingeladen waren. Nach Vortrinken unter lauter Franzosen, bei welchem mein Französisch Vokabular endlich wieder etwas wieder aus der Versenkung auftauchte, ging es mit der fancy pancy Straßenbahn in die Innenstadt. Dort gab es erst Cocktails in einer Bar (Barberousse, sehr zu empfehlen!) , einen super leckeren Döner in Naan Brot und dann ging es in einen Club. Die Getränkepreise bewegten sich da bei 7 Euro für ein 0,33 Bier und die Musik schwankte zwischen Charts und Mainstream House. Gewöhnungsbedürftig, aber die Franzosen findens wohl geil.





Verkatert und sehr müde wurde am nächsten Morgen erstmal so richtig Französisch bei Subway gefrühstückt, ähem. Nicht wirklich wacher folgte ein kleiner Stadtrundgang durch die unsagbar saubere und weiße Stadt. An diesem Wochenende war eine Kunstausstellung, welche Objekte in der ganzen Altstadt installierte. Leider reichte die Zeit nicht mehr um mehr als zwei dieser Installationen zu sehen, es war auf jeden Fall sehr cool anzuschauen.

Nach einem kleinen Schläfchen im Stadtpark war es dann auch wieder an der Zeit weiter zu ziehen. Cap d'Agde - nous arrivons!